Aus dem Speisezimmer kam noch immer der süße Geruch der geschmolzenen Bombé surprisè. Früchte, Zucker, kalter Kaffee, Orangenlikör: Ein Dessert, das vor wenigen Stunden wie ein Kunstwerk gewirkt hatte, roch jetzt wie eine Falle.
Mary Carson stand neben der Chaiselongue, auf die sie jemand gelegt hatte. Sie war bleich, aber aufrecht. Fiona saß auf dem Rand eines Ledersessels und hielt das kastanienfarbene Kissen im Schoß, als könne sie daraus eine Erklärung lesen. Meghan saß auf dem Sofa, Lito neben ihr, nah genug, dass ihre Hand ihn erreichen könnte, wenn er fiele. Justine stand unter dem Regal mit den antiken Tragödien, die Arme vor der Brust verschränkt. Justin blieb am Kartentisch, eine Hand auf der Ägäis, die andere gegen die Schläfe gedrückt.
Brian hatte inzwischen eine Wolldecke gefunden, die wahrscheinlich für Lesestunden gedacht war und nun einen sehr anderen Dienst leisten musste. Emmett saß hinter dem niedrigen Tisch, in einen Teppich gewickelt wie ein reuiger orientalischer Ozelot.
Die Bibliothek nahm alles auf, aber sie machte nichts leichter.
Mary war die Erste, die sprach.
„Ich will nicht darauf warten, dass der Kardinal mit einer Erklärung aus dem Gang zurückkehrt, als wäre er ein Haushofmeister Gottes. Valeria Sebastienne wusste zu viel über mich, und sie wusste es nicht zufällig. Ich möchte ein Geständnis machen, aber es ist mir egal, was ihr danach über mich denkt. Ich kannte Valeria Sebastienne. Sie hat versucht mich zu erpressen, indem sie behauptete, sie sei die uneheliche Tochter meines Mannes und wahre Besitzerin von Drogheda.“
Fiona hob den Blick. In ihrem Gesicht lag keine Überraschung. Nur die Fassade einer buchhalterisch begabten Frau, die gewusst hatte, dass ein ordentlich verschlossener Schrank irgendwann doch geöffnet wird.
„Ich bewundere deine plötzliche Offenheit. Lass mich in deine Fußstapfen treten: Auch ich kannte Valeria Sebastienne! Diese Frau hat nicht einfach Geld gerochen wie ein Luchs Fleisch, sie hat mich absurderweise mit etwas erpresst, was so unsinnig war, dass ich jetzt darüber lachen kann, obwohl ich mithilfe eines Privatdetektivs versuchte, sie in eine Irrenanstalt einzuweisen oder in die Sowjetunion auszuweisen.“
Meghan sah zu Fiona, und für einen Moment schien sie fast beleidigt, dass ihre Mutter ebenfalls eine Geschichte hatte. Dann wurde ihr Gesicht weicher, nicht aus Liebe allein, sondern aus der schrecklichen Erkenntnis, dass Leid nicht gerecht verteilt wird.
„Sie hat mich auch angeschrieben. Valeria Sebastienne hat behauptet, ich hätte meinen Mann betrogen…“
Fiona strich mit der Hand über das Kissen. Die Geste war klein, aber sie sah aus wie Arbeit. Dann unterbrach sie ihre Tochter.
„Valeria warf mir vor, ich hätte Paddy Cleary nur genommen, weil du, Mary, Carl Carson und damit Drogheda an dich gebunden hättest. In ihrer Version war ich nicht die schwangere junge Frau, die durch eine Ehe vor gesellschaftlicher Vernichtung geschützt wurde, sondern eine berechnende Verführerin, die über Kinder an Land kommen wollte. Das war so falsch, dass es lächerlich gewesen wäre, wenn es nicht gleichzeitig dein ganzes Leben mitbeschmutzt hätte.“
Justine sah Fiona an. Sie hatte ihre Großmutter immer als eine Frau erlebt, die Dinge tat, nicht erklärte. Nun saß Fiona mit schwerem Kopf und trockenem Mund vor dem gruppierten Tribunal und sprach über eine Demütigung, die niemand je an ihrem Gesicht hatte lesen dürfen.
Mary zog die Lippen zusammen.
„Valeria war dumm, aber nicht ungefährlich. Sie hat bei Fiona die Tatsachen falsch verstanden und trotzdem die Wunde gefunden, weil es in unserer Familie immer um Frauen ging, die durch Männer an Namen gebunden wurden. Bei mir erfand sie sich als eine Tochter Carls, bei Meghan griff sie nach Ehebruch und bei Fiona machte sie aus Ehe, Schwangerschaft und Arbeit eine Verschwörung.“
Brian lehnte den Kopf gegen das Regal. Sein Kopfschmerz hatte sich inzwischen zu einem dumpfen Klopfen entwickelt, das jede Stimme im Raum nachäffte.
„Ich halten fest, dass diese Frau offenbar ein Familienarchiv als Sprengstoff verwenden wollte, aber nicht wusste, welches Kabel in welche Buchse gehört. Sie hatte vielleicht keine saubere Wahrheit, aber sie hatte genug schlechte Versionen davon, um jeden von euch in tragische Furcht zu setzen. In meiner Welt nennt man das nicht Intelligenz, sondern Recherche mit Persönlichkeitsstörung und Gier.“
Emmett zog den Teppich höher. Es war unklar, ob aus Kälte, Scham oder dem Wunsch, Brian nicht zu deutlich anzusehen.
„Brian sagt es grob, aber leider nicht falsch. Diese Valeria Sebastienne war ungeschickt, aber sie zog so viele verletzende Nadeln aus ihrem Etui, dass einige doch die elektrifizierenden Punkte unter der Haut trafen.“
Justine schob sich vom Regal fort. Sie sah erst Mary an, dann Meghan, dann Fiona. Drei Frauen aus demselben Fluch, aber jede in einer anderen Haltung: Mary wie ein Schloss, Meghan wie ein Meer, Fiona wie ein sauber gefaltetes Leichentuch, das niemand öffnen wollte.
„Ich bin nicht unschuldig: Valeria Sebastienne hat uach mich erpresst: Sie warf mir vor, von Danes Tod profitieren zu wollen, weil ich nun Drogheda eines Tages ganz alleine besitzen werde. Sie hat behauptet, wir alle seien Diebinnen: Mary habe Drogheda durch eine kinderlose Ehe blockiert, Mutter habe Ralph, Dane und die Kirche bestohlen, Fiona habe Paddy genommen, um Land für ihre Kinder zu gewinnen, und ich hätte Dane überlebt, um alles zu erben. Das ist nicht nur Erpressung, das ist eine Geologie des Neids, nur ohne Gott und ohne den roten Staub unseres Landes.“
Lito sah zu ihr. Der Satz war scharf, aber nicht verspielt. Justine sprach nicht mehr, um zu glänzen. Sie sprach, um nicht unterzugehen.
„Valeria hat euch alle in Rollen gezwungen, und jede Rolle war eine Karikatur dessen, wovor ihr Angst hattet. Ihre peinlichen Enteignungsphantasien haben zwar nicht ihr Ziel erreicht, aber euch verletzt und gegeneinander aufgehetzt. Mary wurde zur kinderlosen Usurpatorin, Meghan zur sündigen Mutter, Fiona zur berechnenden Verwalterin, Justine zur ehrgeizigen Schwester, die ihren Bruder ermordet, um das Erbe mit niemandem teilen zu müssen.“
Meghan legte beide Hände in den Schoß. Sie sah nicht zu Fiona, nicht zu Mary, nicht zu Justine. Sie sah auf den Teppich, als läge dort eine Tür nach Rom.
„Valeria meinte genug zu wissen, um mich zu zerstören. Sie wusste von Dane und sie wusste, dass sein Name für mich ein Monument war. Sie drohte, dieses Monument mit Parolen zu beschmieren, ihn den Leuten in Gilley vorzuwerfen wie Schlamm gegen eine frisch gestrichene Kirchenwand.“
Justin sah zu Justine. Sie hielt sich sehr gerade. Zu gerade.
Meghan sprach weiter gegen die eigene Wahrheit.
„Ich habe Dane mehr geliebt, als ich Justine lieben konnte, und das ist der Satz, den keine Mutter sagen darf. Ich sage nicht, dass ich Justine nicht liebe, denn das wäre zu einfach und zu grausam; ich sage, dass meine Liebe zu Dane heller brannte, verbotener, dankbarer und schuldiger. Valeria wusste nicht alles, aber sie wusste genug, um meine schlimmste Ungerechtigkeit wie einen Beweis aussehen zu lassen.“
Justine schloss die Augen.
Kein Mensch im Raum bewegte sich. Sogar Brian blieb still, als hätte der Satz Zynismus vertrocknet.
Fiona sah ihre Tochter an. Ihre Hände lagen noch immer auf dem Kissen.
„Meggie, du bist nicht die erste Frau, die ein Kind für einen Mann liebt, den sie nicht haben durfte. Das macht es nicht gerecht, und es nimmt Justine keinen Schmerz und keine Schuld, aber es macht dich nicht zu dem Ungeheuer, das Valeria aus dir machen wollte.“
Mary wandte sich leicht ab, weil jede Frau in diesem Raum plötzlich nicht mehr allein in ihrer eigenen Schuld stand.
Justine öffnete die Augen wieder. Ihr Blick ging zu Meghan, blieb aber nicht flehend an ihr hängen. Das war neu.
„Ich habe mein ganzes Leben gedacht, ich müsse gewinnen, damit du mich endlich siehst. Auf der Bühne, in Städten, in fremden Sprachen, mit Applaus, mit Männern, mit Witz, mit allem, was lauter war als die Stelle, an der du Dane angeschaut hast. Jetzt erfahre ich, dass ich nicht gegen meinen Bruder verloren habe, sondern gegen eine Liebe, die lange vor mir begann und in ihm einen Körper fand.“
Meghan zuckte zusammen, als hätte Justine sie geschlagen. Aber Justine war noch nicht fertig.
„Das tröstet mich nicht. Ich will nicht so edel sein, dass ich dir sofort vergebe, nur weil dein Schmerz eine schönere Geschichte hat als meine. Aber ich sehe zum ersten Mal, dass du mich nicht weniger geliebt hast, weil ich weniger wert war, sondern weil du selbst in einem Mythos gefangen warst, den Valeria nur aussprechen musste, damit er wie Schuld klang.“
Lito legte eine Hand auf Meghans Arm, fest genug, damit sie spürte, dass jemand da war, ohne ihr die Antwort abzunehmen.
Mary lachte nicht, aber ihre Stimme bekam jenen trockenen Glanz, mit dem sie früher ganze Männer vom Tisch hätte wischen können.
„Wie tröstlich, dass wir nun alle mythologische Entschuldigungen besitzen. Ich war kinderlos, Fiona war schwanger, Meghan war verliebt, Justine war überlebend, und jede von uns hatte einen ausgezeichneten Grund, im falschen Augenblick gefährlich zu wirken. Valeria hätte eine ganz ordentliche Tragödin abgegeben, wenn sie nicht den Fehler gemacht hätte, ihre schlechten Rollen mit Forderungen nach Geld zu versehen.“ Dann kam sie ganz langsam auf Meghan zu, holte aus und schlug ihr mit aller Kraft ins Gesicht.
„Ich habe Ralph begehrt, ich habe ihm seine Karriere gekauft, ohne mich wäre er nie Bischof geworden. Und du kleine Göre hast ihn ohne einen Wimpernschlag bekommen. Gott ist ungerecht! Ich bin es nicht!“ Als sie zum zweiten Schlag ausholte, trat Fiona so rasch hinzu, dass der Boden knarrte. Sie fasste Marys Hand so hart, dass die alte Dame aufschrie.
„Du schlägst meine Tochter nicht mehr!“
Emmett sah vorsichtig über den Rand seines Teppichs.
„Mary, ich möchte das mit der Tragödin nicht zu sehr unterstützen, aber es stimmt, dass Valeria offenbar Gift verteilt hat, um diese Familie zu vernichten. Sie hat jede Frau in eine Rolle gesteckt, die von außen sofort verständlich war. Menschen lieben einfache Rollen, weil sie dann nicht mehr nach den komplizierten Schmerzen fragen müssen. Aber ich bitte Sie, niemanden mehr zu schlagen, weder mit Worten noch mit Händen.“
Mary betrachtete ihn. Nach der Nacktheit und dem Teppich hätte sie ihn verachten können. Stattdessen sah sie aus, als habe er ihr erneut mehr Substanz geliefert, als sie von ihm erwarten wollte. Sie entwand Fiona ihre Hand, rieb das schmerzende Gelenk und kam zu Emmett.
„Herr Honeycutt, Sie sind in dieser Nacht in mehrfacher Hinsicht überraschend. Ich weiß nicht, ob ich Ihre Beobachtung mehr schätze oder Ihre gegenwärtige Drapierung. Beides beweist jedenfalls, dass Würde manchmal weniger mit Kleidung zu tun hat, als meine Generation gehofft hat. Ich habe meine Ehre verteidigt.“
„Oder deine unerfüllte Begierde! Neid ist eine Todsünde!“, drohte Fiona, die sich schützend vor Meghan gestellt hatte.
Brian zog die Decke fester um sich, aber sein Blick ging zu Justin. Justin sah ihn nicht an aus Überforderung.
Justine schwieg.
Fiona räusperte sich. Es war ein kleines Geräusch, doch der Raum hörte sofort hin. Vielleicht, weil Fiona selten mehr nahm, als man ihr gab.
„Ich habe meine Tochter zu selten verteidigt. Ich hätte sie gegen dich, Schwägerin, genauso schützen müssen wie gegen Valeria Sebastienne. Und als ich es versucht habe, war ich wohl zu langsam, denn die Erpresserin hat uns auf dieser Insel aufgespürt und ist irgendwie hierher gekommen. Ich habe einen Privatdetektiv beauftragt, zuerst in Sydney, später in Europa, und ich wollte Material gegen sie sammeln lassen. Eine Verhaftung wäre mir recht gewesen, eine Einweisung vielleicht noch besser, und wenn man sie in ein Land hätte ausweisen können, das sie in ihren prosowjetischen Briefen so bewunderte, hätte ich auch das als ordentliche Lösung betrachtet.“
Justine starrte sie an.
Meghan hob den Kopf.
Mary sah Fiona zum ersten Mal in dieser Szene nicht als alte Verwandte, sondern als Frau, die eigenständig gefährlich gewesen war.
Fiona hielt den Blick auf dem kastanienfarbenen Kissen.
„Ich wollte sie nicht tot sehen. Ich wollte sie entfernt wissen. Ich habe mein Leben lang gelernt, Ärger in Listen zu verwandeln, weil offene Wut für Frauen wie mich immer zu teuer war.“
Justine setzte sich langsam auf die Kante des Kartentisches. Ihre Stimme war leiser geworden.
„Dann hatte Valeria wirklich jede von uns berührt. Mary mit Carl und Kindern, Mutter mit Dane, Fiona mit Paddy und ihrer alten Schwangerschaft, mich mit Dane und meinem Erbe. Sie hat nicht nur Geld gefordert, sie hat aus vier Frauen die vier Pfeiler einer Kollektivierung von Land und Schuld gemacht. Stalin wäre stolz auf sie gewesen: Sie hat nicht nur Privateigentum angegriffen, sondern auch die Familie als Keimzelle des Eigentums.“
Mary trat ans Fenster. Die Nacht draußen war schwärzer geworden oder die Bibliothek war heller.
„Sie hat uns nicht erfunden. Das ist das Ärgerliche. Sie hat uns verdreht, verkleinert, beschmutzt und vereinfacht, aber sie musste nichts aus dem Nichts schaffen, weil wir ihr genug Material geliefert haben. Eine Familie ist offenbar eine Goldmine für Erpresser, wenn sie nur lange genug schweigt.“
Justin sprach vom Kartentisch aus. Seine Finger lagen noch immer auf der Seekarte. Jilib war nicht mehr Bild, sondern Geschmack, eine Spur gesalzenes Korallengeröll im hinteren Mund.
„Vielleicht wusste Valeria nicht alles über euch, sondern nur genug, um euch selbst den Rest ergänzen zu lassen. Sie musste Mary nicht erklären, was Kinderlosigkeit bedeutet, sie musste Meghan nicht erklären, was Dane bedeutet, sie musste Fiona nicht erklären, was eine erzwungene Ehe bedeutet, und sie musste Justine nicht erklären, wie es ist, neben Dane zu leben. Sie hat nur Namen ausgesprochen, und ihr habt die fehlenden Seiten selbst dazugeschrieben.“
Fiona sah ihn an, und diesmal wirkte sie nicht streng. Nur aggressiv.
„Das ist eine sehr malerische Art, etwas Furchtbares zu sagen. Aber wenn Sie jetzt Erpresser werden wollen und Valerias Werk vollenden, was ihre Opfer freiwillig in den Umschlag legen, nachdem der erste Satz gelesen wurde, dann werde ich mehr Gewalt gegen Sie anwenden als gegen Mary.“
Meghan atmete langsam aus.
„Dann ist ihr Tod vielleicht nicht einmal das Ende ihrer Arbeit, wenn Sun und Justin Ihre Komplizen waren? Meinst du das, Mutter? “
Justine sah sie an. Diesmal war in ihrem Blick Schmerz, aber noch kein Angriff.
„Dane wartet nicht. Dane ist tot, und wir sind diejenigen, die ihn immer wieder zurückrufen, weil wir nicht wissen, wohin mit unserer Schuld. Vielleicht müssen wir heute Nacht endlich aufhören, ihn als Beweis zu benutzen: nicht für deine Liebe, nicht für Marys Erbe, nicht für meine Vernachlässigung und nicht für Valerias Hass.“
Meghan presste die Lippen zusammen. Lito blieb neben ihr, still.
Mary wandte sich vom Fenster ab. Ihr Gesicht war hart, doch nicht unberührt.
„Das Kind hat recht. Es ist ärgerlich, wenn ein Kind recht hat, besonders wenn es nicht mehr jung genug ist, um es niedlich zu finden. Dane gehört nicht Valeria, nicht Meghan, nicht Drogheda und nicht der Polizei, die irgendwann mit Formularen und feuchten Schuhen hier eintreffen wird.“
Emmett blickte auf.
„Justin war nicht der Komplize der Toten!“
Justin blickte ihn enttäuscht an: „Du bist der Letzte, von dem ich hier verteidigt werden muss.“
Marys Augen wurden schmal. Für einen Moment sah es aus, als werde sie ihn zerschneiden. Dann geschah etwas Merkwürdiges: Sie tat es nicht.
„Sie, Herr Honeycutt, sind heute Nacht sehr mutig für einen Mann ohne Hose. Ich werde Ihnen nicht recht geben, weil ich es in dieser Form nicht gewohnt bin, aber ich werde den Satz vorläufig nicht verwerfen. Vielleicht ist das in meinem Alter bereits ein Zeichen geistiger Beweglichkeit.“
Brian schloss die Augen.
„Ich notiere, dass Emmett nackt Mary Carson pädagogisch beeinflusst hat. Falls wir diese Insel überleben, wird niemand in Pittsburgh glauben, dass ich diese Geschichte nicht als Werbemasche für Droghedawolle erfunden habe. Leider ist mein Kopf zu sehr mit Schmerzen beschädigt, um sie angemessen zu vermarkten.“
Justin sah ihn endlich an, lang genug, dass Brian verstand, dass das Gelbe zwischen ihnen nicht verschwunden war.
Justine trat näher zu Mary. Nicht sehr nah. Aber näher.
„Wenn Valeria über jede Cleary-Frau etwas wusste, dann wusste sie vielleicht am wenigsten über das, was uns zusammenhält. Sie sah die Erbschaft, die Affären, die Scham, die unehelichen Kinder, die verlorenen Söhne und die alten Frauen mit ihren Listen. Aber sie hat vielleicht nicht verstanden, dass selbst eine Familie wie unsere noch fähig ist, sich vor einem Toten zu vereinen, und unsere gemeinsame Trauer um Dane ist immerhin ein Zeichen, dass nicht alles in uns abgestorben ist. Brian, Justin und Emmett, ich bin nicht eure Großmutter, aber ich rate euch, geht gemeinsam in das gelbe Zimmer. Emmett und Brian können sich dort angemessen anziehen, Justin kann Bilder sehen, Worte hören, Gerüche einatmen und Verständnis wachsen lassen.“
Justin wollte verärgert die Hand heben, doch Fionas Blick erstickte den Widerspruch. Emmett wickelte den Teppich um sich, während Brian demonstrativ die Decke faltete und auf die Chaiselongue neben Mary legte. Dann verließen alle drei die Bibliothek.


